Teil 10: Der Fluch der Gruft

      Teil 10: Der Fluch der Gruft

      Ihr edlen Recken dort draußen, so höret mich an: Euer Fifi ist unter die
      Ritter gegangen...! Haha, natürlich nicht! Doch dieses eine sonderbare
      kleine Abenteuer von mir möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.
      Es geschah an einem ganz normalen Sonntag. Ich war ein wenig frustriert
      davon dass sich mein neuster Begleiter, ein edler Jaguar, partout weigerte
      sich in eine Blechdose zwängen zu lassen. Insbesondere darum weil mein
      Bruder Cunidoca das bei Lumpi ja auch in kürzester Zeit geschafft hatte.
      Und, mal ehrlich, wer Lumpi ansieht weiß dass das sicher nicht so einfach
      war... Generell war dieser Jaguar einfach vollkommen anders als mein
      Eisbär. Als er noch eine süße kleine Babykatze war hatte er die drollige
      Angewohnheit, mich anzufeuern, wenn meine Lebenspunkte zu stark
      absanken. Bezaubert durch dieses putzige Geschöpf schlug ich dann gleich
      viel schneller zu und schaffte es auf Angriffstempo 12 (Anfeuern Stufe 2).
      Sobald er jedoch zu einem Jugendlichen Jaguar heranwuchs änderte sich
      sein Verhalten schlagartig. Anstatt mich anzufeuern oder anderweitig zu
      unterstützen begnügte er sich damit, mir zuzusehen und ab und an ein
      wenig gelangweilt zu gähnen. Seine einzige aktive Handlung bestand
      darin, an meinem Bein herumzukratzen wenn er mal wieder Hunger hatte.
      Und dies geschah oft.
      Nach einem weiteren erfolglosen Versuch aus dieser pubertierenden
      Teenagerkatze nun einen vollwertigen Kampfjaguar zu machen beschloss
      ich, dass es Zeit für etwas Ablenkung wäre. Zufällig hatte ich etwas von
      einer großen Schlacht aufgeschnappt, bei der es um die Herrschaft von
      Theo’s Gruft ginge. Perfekt! Dann würde ich vielleicht endlich einmal Theo
      kennenlernen und ihm meine Vorschläge zur Verschönerung seiner Gruft
      und zur Verbesserung seiner Angestellten unterbreiten können. Ich holte
      schnell ein Stück meiner eigens dafür angefertigten pastellfarbenen
      Blümchentapete aus meinem Lager und begab mich auf dem Rücken
      meiner zauberhaften Trudegunde zum Eingang der Gruft. Dort
      angekommen begrüßten mich bereits ein paar bekannte Krieger. Ein paar,
      kein Heer aber immerhin ein paar. Das große Heer wartete bestimmt
      schon an anderer Stelle. So dachte ich zumindest. Ich wechselte ein paar
      Worte mit den wartenden Kriegern und meldete mich als Besucher zu der
      Schlacht an. Kaum hatte ich meinen Willen geäußert, da wurde ich schon
      an den ersten Treffpunkt teleportiert. Ein Treffpunkt, der leider nicht
      gerade in der Nähe der Gruft lag. Neben mir erschienen plötzlich einige
      Krieger. Als ich sie jedoch fragen wollte, wo die Schlacht denn nun
      stattfände, waren sie bereits wieder verschwunden. Ich war verwirrt. Ein
      hochgewachsener dunkel gekleideter Schattenpriester erbarmte sich dann
      meiner und lud mich freundlich in seine Gruppe ein. Just in dem Moment,
      in dem ich der Einladung folgte, war allerdings auch dieser wieder
      verschwunden. Diesmal hatte ich jedoch keine Zeit, verwirrt zu sein. Denn
      kurz nach seinem Verschwinden teleportierte er mich bereits zu sich. Nun
      war ich auch endlich am Treffpunkt angelangt. Ein wenig benommen von
      der Hin- und Herteleportiererei sah ich mich um. Ich wollte mir das riesige
      Heer ansehen, mit welchem ich dort gemeinsam in die Schlacht um die
      Pyramide zog. Ein wenig ernüchtert stellte ich fest, dass sich neben mir
      knapp über eine Hand voll Krieger an diesem Versammlungsort befanden.
      Meine Frage nach dem Rest unseres Heeres wurde mit schallendem
      Gelächter beantwortet.
      Ich begleitete meine Gruppe und versuchte zu begreifen was sich dort
      abspielte. Es war wie ein Fluch. Diese wenigen Krieger führten jede Woche
      dieselbe Schlacht. Und es wurden immer weniger. „Anfangs“, meinte einer
      meiner Mitstreiter, „waren wir noch viele. Es waren große Schlachten. Es
      ging um Ausdauer, Geschick und um die Ehre. Es war eine schöne Zeit.“
      Sein Gesicht verfinsterte sich. „Was ist dann passiert?“, flüsterte ich. „Wir
      wurden verflucht“, während er sprach wurde er immer leiser „eines Tages
      wurden unsere Rüstungen und Waffen verzaubert. Ein Duell das früher
      Minuten dauerte, wurde plötzlich in Sekunden entschieden. Ein Zauber
      reicht nun aus um einen Krieger oder Magier zu töten. Dabei ist
      vollkommen egal, wie erfahren die Kontrahenten sind.“ Meine Augen
      wurden groß. „Es dauerte nicht lange und viele stolze Krieger wandten sich
      von der Schlacht ab. Nur wir sind noch geblieben. Doch unser Wille wurde
      gebrochen. Sieh dich um Fiddelschnarf, die Krieger die du hier siehst sind
      nicht zum Siegen gekommen.“ Ich sah mir die Krieger noch einmal genau
      an. Manch einer hatte seine Rüstung gegen lustige Kostüme ausgetauscht,
      ein anderer wiederum trug gar keine Rüstung. Es wurde nicht marschiert,
      es wurde geschlendert. Mein Mitstreiter hatte recht, dies hier war keine
      epische Schlacht, nicht einmal ein Scharmützel. Es war ein Sonntagabend
      Spaziergang mit gelegentlichem in den Staub gehen.
      Eine ganze Weile lang begleitete ich diese Verfluchten und dachte darüber
      nach wie ich ihnen helfen konnte. Nach einem weiteren Moment des
      heroischen aktiven Sterbens verweilte ich eine Zeit im Lager und setzte
      mich zu einigen Kriegern, die mit der Schlacht für diesen Tag bereits
      abgeschlossen hatten. Eddie, Hertha und mein Jaguar setzten sich, von
      der vielen Lauferei ermüdet, dazu. Die arme Hertha war noch immer ganz
      frustriert, dass sie ihr Wassergefängnis nicht einsetzen konnte. Ich legte
      ihr aufmunternd die Hand auf die Schulter. „Wenn du auch dein
      Wassergefängnis nicht immer nutzen kannst, so bist du doch unersetzbar
      für mich. Was täte ich ohne deine zielsicheren Pfeile?“ Plötzlich hatte ich
      eine Idee wie ich den Verfluchten vielleicht doch einen Gefallen tun
      könnte...!
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      Wer einmal zum Shugo geht...
      :thumbsup: