Teil 09: Von Akan bis Zombie

      Teil 09: Von Akan bis Zombie

      Ein paar Wochen waren ins Land gezogen. Meine Freundin wusste bis
      heute nicht, dass ihre Hast in mir sonderbare Stimmen weckte und mein
      schlechtes Gewissen wuchs mit jedem Tag. Trotz alledem bin ich in dieser
      Zeit sehr viel stärker geworden und konnte mich nun bereits im
      Seelenturm behaupten. Mit diesem neuen Ort eröffneten sich mir
      allerdings –wie könnte es anders sein- auch neue Probleme. So erwies es
      sich in den engen Gängen des Seelenturms als überaus schwierig, Eddie zu
      rufen. Denn als Golem wie er nun mal einer war, fühlte er sich scheinbar
      enorm zu den angrenzenden Wänden hingezogen und schien regelmäßig in
      ihnen festzuhängen. Auch kleinste Unebenheiten oder gar Treppen mochte
      Eddie gar nicht. So stand ich vor jeder Treppe vor der Entscheidung, ihn
      neu zu beschwören oder ihn die Treppenstufen hinaufzutragen. Nachdem
      ich mir das eine Mal dabei eine üble Zerrung zugezogen hatte, hielt ich es
      für das beste ihn jeweils neu zu rufen. Lady Oskara hatte lange genug auf
      mich gewartet, um mit mir gemeinsam die oberen Etagen des Turms
      erkunden zu können. Da war es dann manchmal gar nicht so unpraktisch,
      dass der Turm so verlassen war...
      Im Laufe unserer gemeinsamen Zeit im Turm sowie in Theo’s Gruft (ich
      hatte Theo noch immer nicht kennengelernt!) lernten wir immer mehr
      Abenteurer kennen und unsere Gruppe wuchs beständig. So wurde unser
      Team schließlich unter anderem auch durch einen Spezialisten, eine
      Klerikerin und eine Scharfschützin bereichert. Eines schönen Tages kam
      meine Freundin dann auf die Idee, gemeinsam den Akan Tempel zu
      besuchen. An kaum einem anderen Ort liegen Schönheit und Verderben so
      dicht beieinander wie dort. Wenige Sekunden nach unserem Eintritt
      bereute ich meine begeisterte Zustimmung allerdings wieder ein wenig,
      denn das erste was ich dort drin erblickte waren... Treppen! Natürlich
      weigerte sich Eddie auch hier beharrlich, auch nur eine Stufe
      hinabzusteigen. Also mussten dann wieder Fred und Wilma ran. Fred
      schien –wie immer- wenig begeistert davon sich diesen irren Gegnern
      entgegenzustellen. Als er jedoch Oski erblickte, erinnerte sich schnell an
      seine „süßer Welpe trifft heiße Lady“ Taktik und sparte sich ein unwirsches
      Knurren. Stattdessen wechselte er von meiner linken sofort an meine
      rechte Seite, an der Oski stand. Rein zufällig trat er mir dabei auf den Fuß.
      Die Gegner des Akan Tempels waren mitunter schwieriger als
      angenommen. So musste ich Wilma, Fred, Hertha und Eddie (ab dem
      ersten Bossgegner war sogar Eddie bereit, seinem Prachtkörper ein paar
      Treppenstufen zuzumuten) oft neu beschwören. Wie immer, wenn ich
      unter Hast stand, wurden meine Beschwörungen durch diese nervige
      Stimme in meinem Kopf unterbrochen. Ich musste also nach jedem
      Geisterbuff und jeder Beschwörung warten. Oski entging das nicht. Als wir
      Padocs Kammer nach unserem knappen Sieg verlassen wollten, hielt sie
      mich zurück und bedeutete den anderen vorzugehen. In Gedanken daran,
      nun etwas vollkommen anderes zu tun, nestelte ich bereits an meiner
      Rüstung. Oski schüttelte den Kopf und nahm meine Hände. „Was ist los?“
      fragte sie skeptisch. Wie ein Wasserfall sprudelte es aus mir heraus. Zu
      lange hatte ich geschwiegen. Zu lange hatte mir diese Stimme
      Kopfschmerzen bereitet. Als ich fertig war, fiel mir sprichwörtlich ein Stein
      vom Herzen. Oski sah mich zunächst nachdenklich, dann traurig und dann
      eindeutig schuldbewusst an. „Es tut mir so leid, ich hatte ja keine
      Ahnung...“ stammelte sie. Ich küsste ihre Stirn und beseitigte ihre
      Schuldgefühle auf eine sehr angenehme Weise...
      Als wir es dann irgendwann aus Padocs Kammer hinausgeschafft hatten,
      konnte es unter den recht eindeutigen Blicken der anderen weitergehen.
      Einige heilende Einsätze in letzter Sekunde später konnten wir dann
      letztendlich siegreich erhobenen Hauptes den Akan Tempel hinter uns
      lassen. Unser nächstes Ziel waren dann die Antiken Kriegsmumien in
      Theo’s Gruft. In einer zwischen 6 und 9 Abenteurern schwankenden
      Gruppe, fielen diese stinkenden Bandagenträger in kürzester Zeit.
      Glücklicherweise war unsere Gruppe nun unter anderem auch um 2
      Tempelritter gewachsen. In dieser Zusammenstellung merkte ich recht
      bald, dass meine Geister gar nicht erst angegriffen wurden. Demzufolge
      musste ich sie also auch nicht sobald neu beschwören. Ich dachte lange
      nach und stupste Oski an. „Du Schatz? Haste mal Hast?“ Anfänglich
      verwirrt, versah sie mich mit dieser sonderbaren Verzauberung. Da ich
      nun meine Geister nur dann neu rufen musste, wenn sie zwangsläufig ein
      paar Minuten pausierten, nervte mich diese Stimme nun auch nicht mehr.
      Stattdessen konnte ich in wahnwitziger Geschwindigkeit meinen Gegnern
      Kettenblitze um die Ohren werfen und meine Seelenwaffe beschwören.
      Begeistert berichtete ich Oski von meiner Entdeckung. Merke, junger
      Elementarist von morgen: Wenn du deine Geister nicht oft neu rufen
      musst, so ist Hast in der Tat eine Bereicherung. Außerdem ist man
      glücklicherweise bei unterstützenden Klassen (zu denen ja auch die Hexen
      gehören) gern gesehen, da durch den Seelenskill des Elementaristen die
      Wahrscheinlichkeit auf kritische und tödliche Treffer enorm ansteigt.
      Am Ende dieses Tages wurde ich dann noch durch einen Anstieg meines
      Levels belohnt. So durfte es gern weitergehen...!


      Wer einmal zum Shugo geht...
      :thumbsup: