Teil 08: Haste mal Hast?!

      Teil 08: Haste mal Hast?!

      Ich weiß nicht ob es an meiner Ausstrahlung lag, oder an der Tatsache,
      dass ich diese Frau mindestens fünf Minuten lang nur mit offenem Mund
      angestarrt hatte. Jedenfalls musterte sie mich sehr eingehend und schien
      fieberhaft darüber nachzudenken, was sie diesem überaus gutaussehenden
      jungen Helden (mir!) denn sagen sollte. „Was bist denn DU?!“ Nun gut,
      vielleicht nicht die beste Art, einen zukünftigen Helden zu begrüßen aber
      die Kleine war sicher einfach nur zu überwältigt von meiner imposanten
      Erscheinung. „Ich bin Fiddelschnarf, der Elementarist“, sagte ich in meiner
      heldenhaftesten Stimme, zog den Bauch ein und streckte die heldenhafte
      Brust heraus. So, das Eis war gebrochen.
      Im Verlauf unseres Gespräches stellte sich heraus, dass diese hübsche,
      leicht bekleidete Frau den Namen Oskara trug und stets mit „Lady“
      angesprochen werden wollte. Auch hatte sie noch nie zuvor „einen wie
      mich“, was heißen soll: einen Elementaristen, zu Gesicht bekommen. Ich
      sah meine Chance gekommen, dieses grazile Wesen noch ein bisschen
      mehr zu beeindrucken und pfiff Eddie, Hertha und Lumpi herbei, die sich
      während unseres Gespräches noch ein wenig abseits mit einem Zwergoger
      vergnügt hatten (sie spielten „Möbschen in der Mitte"). Da Lady Oskara so
      beeindruckt aussah, stellte ich ihr danach auch gleich Fred und meine
      wunderschöne Wilma vor. Fred sah natürlich seine Chance gekommen und
      spielte „süßes Hündchen“ um sich von Oski streicheln und verwöhnen zu
      lassen (jedoch nicht ohne mir vorher mit seiner flammenden
      Schwanzspitze ein paar schmerzhafte Brandblasen am Knöchel zu
      hinterlassen). Alles in allem war es ein überaus gelungenes erstes Treffen.
      So kam es dann auch dazu, dass sie sich unserer Gruppe anschloss,
      wenngleich sie leider zu groß war, um mit uns gemeinsam zu kämpfen. Ein
      kleines Geschenk hätte sie jedoch für mich, wie sie eines Tages grinsend
      erwähnte. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer. Sie fing an mit ihren...
      Händen vor mir herumzuwedeln und schwang ihre Rute. Wie hypnotisiert
      von ihren eleganten Bewegungen merkte ich zunächst gar nicht, dass die
      schon damit aufgehört hatte. „Greife nun mal einen Zwergoger an“, sagte
      sie lächelnd. Ich tat, wie mir geheißen, zückte mein Zepter und schlug es
      dem nächstbesten Zwergoger mitten auf die Stirn. „Uiii, ja, toll, das ist ein
      super Geschenk!“, jubilierte ich, ohne auch nur ansatzweise zu wissen was
      genau sich nun verändert hatte. „Du Schafskopf!“, lachte sie „du musst
      doch zaubern!“ Wieder tat ich, wie mir geheißen, drehte mich wieder zu
      dem mittlerweile sehr wütenden Zwergoger um und zauberte meinen
      guten alten Kettenblitz. Da stockte mir der Atem! Meine normalerweise
      sehr elegante und vielleicht ein bisschen langsame Kettenblitzbewegung
      war nun so schnell und zackig, dass ich erschrocken aufschrie. „Wuaaah!
      Was war DAS denn...?!“ Lady Oskara konnte sich ihr Lachen nicht
      verkneifen und klärte mich darüber auf, dass sie eine Hexe sei und mich
      gerade mit „Großer Hast“ verzaubert hatte. „Is‘ ja ‘n dolles Ding!“, staunte
      ich und wollte sogleich Wilma und Fred davon erzählen. Wilma stand so
      schnell vor mir, dass ich kaum die Zeit hatte, mein Zepter wieder in seine
      Ausgangsposition zu bringen, wodurch ich es ihr beinahe um die Ohren
      gehauen hätte. Als ich gleich im Anschluss nun Fred beschwören wollte,
      ertönte plötzlich wieder eine Stimme in meinem Kopf... „Du benutzt
      gerade eine andere Fähigkeit“... oder so ähnlich... und so nahm das
      Unglück schon wieder seinen Lauf...
      Ich hatte es nicht übers Herz gebracht, Lady Oskara zu gestehen, dass ihr
      super tolles Geschenk mit dem sie mich immer freudig versah, mich bei
      dem Beschwören und Buffen meiner Geister eher behinderte als nützte.
      Als wir eines schönen Tages gemeinsam über den Markt in Juno
      schlenderten beschloss ich, ihr ein Geständnis zu machen. Als wir gerade
      auf der Höhe der Arena waren (wie überaus passend...), nahm ich sie bei
      der Hand. Bevor ich jedoch auch nur ein Wort hinausbrachte, wurden wir
      jäh durch eine mit zwei Brotmessern bewaffneten, kleinen Frau
      unterbrochen. „Haste mal Hast?“, rief sie meiner Freundin zu. Lady Oskara
      schwang erneut auf diese verführerische Art ihre Rute und die kleine Frau
      verschwand wieder in der Arena. Dies war jedoch erst der Anfang.
      Unmittelbar nach der Brotmesserfrau erschienen noch ein Ritter, der
      sonderbarerweise anstelle eines Schildes ein zweites Schwert trug, eine
      weitere kleine Frau mit einer Armbrust, ein Spezialist und ein seltsames,
      hochgewachsenes, blassblaues Wesen mit großen schwarzen Flügeln auf
      dem Rücken. Sie alle erbaten eine Hast von meiner Freundin und waren
      hocherfreut, als sie diese bekamen. Als ich sah, wie zufrieden Oski war, als
      sich all diese seltsamen Leute bei ihr bedankten, schwand mein zuvor
      gefasster Mut wieder. Dummerweise erinnerte sie sich daran, dass ich ihre
      Hand genommen hatte, sah mich an und fragte in dieser unbeschreiblich
      liebenswerten Weise „...du wolltest mir etwas sagen?“. „Ich.... ähm...
      also... ich...“, stammelte ich hilflos. „Ich weiß schon“, lächelte sie
      verführerisch, zog mich zu sich heran und erstickte meine verzweifelten
      Versuche, einen vollständigen Satz zustande zu bringen mit einem Kuss.
      Die Stimme in meinem Kopf war wieder da, jedoch möchte ich hier lieber
      nicht genauer ausführen, was diese zu mir sagte, da hier sicherlich auch
      Minderjährige mitlesen. Sicher war jedoch: Meine neue Freundin durfte
      niemals erfahren welche Nebenwirkungen ihre Große Hast bei mir hatte...


      Wer einmal zum Shugo geht...
      :thumbsup: